Was acht Tage völlige Dunkelheit mit mir gemacht haben
Wie fühlt es sich an, acht Tage lang ohne Tageslicht zu leben?
PERSÖNLICHKEITSENTWICKLUNG
8/5/20262 min lesen
Diese Frage ließ mich nicht mehr los, nachdem ich zum ersten Mal von einem Dunkelretreat gehört hatte. Also wagte ich das Experiment.
Meine Faszination für Dunkelheit
Schon während meines Wehrdienstes bemerkte ich, dass ich Dunkelheit anders wahrnehme als viele andere Menschen. Während manche sich im Dunkeln unwohl fühlen, empfinde ich sie als beruhigend. Ohne den Sehsinn bewege ich mich automatisch langsamer und bewusster. Es fühlt sich an, als würden andere Sinne stärker in den Vordergrund rücken.
Acht Tage ohne Licht
Mein Retreat fand in einem kleinen Dunkelraum bei Lüneburg statt. Dort verbrachte ich acht Tage in völliger Dunkelheit. Während dieser Zeit fastete ich und erhielt nur Gemüsebrühe, Tee, Wasser und Saft. Einmal täglich sprach ich mit der Retreatleiterin über meine Erfahrungen.
Die größte Herausforderung war überraschenderweise nicht die Dunkelheit, sondern die Langeweile. Ohne Handy, Bücher oder Gespräche blieb nur eines: Zeit mit mir selbst. Ich meditierte, machte Yoga und beobachtete meine Gedanken. Selbst alltägliche Dinge wie Zahnpasta auf die Zahnbürste zu bekommen wurden plötzlich zur kleinen Herausforderung.
Was in der Dunkelheit passiert
Nach etwa zwei Tagen war die Dunkelheit nicht mehr komplett schwarz. Ich nahm kleine Lichtblitze und Muster wahr – unabhängig davon, ob meine Augen geöffnet oder geschlossen waren.
Visionen oder außergewöhnliche Erlebnisse hatte ich nicht. Dafür stellte sich etwas anderes ein: eine tiefe innere Ruhe. Mein Kopf war zwar weiterhin aktiv, aber mein gesamtes Nervensystem schien deutlich herunterzufahren.
Die Rückkehr ins Licht
Nach acht Tagen musste ich mich langsam wieder an das Tageslicht gewöhnen. Besonders überrascht hat mich meine Reaktion auf das Smartphone. Schon ein kurzer Blick aufs Display löste Übelkeit aus. Erst da wurde mir bewusst, wie selbstverständlich unser Gehirn die tägliche Reizflut verarbeitet.
Mein Fazit
Das Dunkelretreat hat mir vor allem gezeigt, wie laut unser Alltag geworden ist. Ständig prasseln Informationen, Bilder und Nachrichten auf uns ein. Erst wenn all diese Reize verschwinden, merkt man, wie gut es dem Körper tut, einfach einmal nichts verarbeiten zu müssen.
Ich glaube nicht, dass jeder acht Tage in völliger Dunkelheit verbringen muss. Aber ich bin überzeugt, dass wir alle regelmäßig Momente brauchen, in denen unser Geist zur Ruhe kommen darf.
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